Technik – Scheibenbremsen auf Unimog 411 Achsen

Da wir für unseren Prototyp unsere beiden Unimog 411 Vorderachsen von Trommelbremsen auf Scheibenbremsen umgebaut haben und wir einige nachfragen diesbezüglich erhalten haben, werden wir in diesem Artikel die hierfür nötigen Schritte beschreiben.


Benutzte Komponenten:

  • Audi A6 Bremsscheiben
  • Suzuki SJ413 Bremssättel
  • Abstandshülsen (zum Befestigen der Bremssättel)
  • Schrauben mit Feingewinde (passend für Bremssattel)
  • Optional: Neue Dichtringe für Portalausgänge

Schritt 1:

Entfernen der Bremstrommel um an Rückenwand und an das innere der Bremstrommel zu gelangen.

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Schritt 2:

Jetzt werden die Bremsbacken und der Radbremszylinder entfernt. Danach kann die Rückenwand der Bremstrommel abmontiert/entfernt.

Wir haben sie mit der Trennscheibe/Flex entfernt, damit das Portal nicht abgenommen werden muss.

Hinweis: Auf dem folgenden Bild ist die Radnabe schon abgenommen, dies folgt im nächsten Schritt.

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Schritt 3:

Die Schraube der Radnabe lösen. Da diese unter Umständen, wie auch bei uns, sehr fest sitzt haben wir auf den Schraubenkopf einen alten Meißel geschweißt und über den dadurch entstehenden Hebel mit einem Vorschlaghammer die Schraube gelöst (siehe Bild).

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Schritt 4:

Als nächstes wird die Radnabe abgenommen. Hier muss man vermutlich etwas „Gewalt“ anwenden, da die Radnaben durchaus sehr fest auf dem Portal sitzen können. Wir haben uns ein Gestell gebaut/geschweißt welches wir mit der Radnabe verschraubt haben (siehe rechtes Bild). Anschließend haben wir einen Hydraulikwagenheber zwischen dem Gestell und der Radnabe so positioniert, dass der Hub des Hydraulikwagenhebers direkt auf die Antriebswellenschraube drückt. Mit etwas Geduld und Druck löst sich die Radnabe dann. Zusätzlich hierzu haben wir noch mit einer Schraube, welche durch die Radnabe geschraubt wird bis sie am Portal anliegt, die Radnabe vom Portal „weggedrückt“ (siehe linkes Bild). Wichtig ist den Druck auf die Radnabe nach und nach gleichmäßig zu erhöhen um diese zu lösen.

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Schritt 5:

Anschließend haben wir die Radnabe so abgedreht, dass die äußere „Kurve“ entfernt ist (siehe Bild). Der hierdurch entstehende Freiraum wird später genutzt um die Bremsscheibe auf die Radnabe zu schieben und diese darauf zu befestigen.

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Schritt 6:

Jetzt sollte man die Dichtringe der Radnaben erneuern, da diese auf den „neuen“ Außendurchmesser der Radnabe angepasst werden müssen.


Schritt 7:

Nun muss die Bremsscheibe (Audi A6) von innen ausgedreht werden. Das Innere Loch hat bei uns einen Durchmesser von 85,5mm, so passt es genau über die abgedrehte Radnabe. Der äußere Durchmesser liegt bei 286mm. Wir haben auch von außen etwas Material abgetragen, damit der Bremssattel besser montiert werden kann. Einfach testen.

Hinweis: Optimalerweise montiert ihr die Bremsscheibe auf der Radnabe (wie im letzten Bild zu sehen) und dreht sie dann von außen ab, damit die Unwucht minimiert wird.

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Schritt 8:

Die Zähne am Ausgang des Portals minimal abschleifen und einfetten, damit die Radnabe leichter zu montieren ist. Nun kann die Radnabe (Bremsscheibe ist auf der Radnabe verschraubt) wieder auf das Portal gesetzt werden.

Hinweis: Wer die Zähne am Portalausgang nicht abschleifen möchte, kann auch die Radnabe mit einem großen Hammer und einem dicken Brett dazwischen wieder auf dem Portal befestigen. Das haben wir auch schon gemacht, es geht, aber man braucht Geduld. 

 


Schritt 9:

Jetzt sollte testweise die Felge auf dem Portal angebracht werden um zu testen wie viel Platz für den Bremssattel zur Verfügung steht.


Schritt 10:

Ist dieser Schritt durchgeführt kann damit begonnen werden die Bremssättel zu montieren. Wir haben Suzuki SJ 413 Bremssättel verwendet, da bei diesen das Lochbild mit dem Lochbild am Portal der 411er Achse übereinstimmt (siehe Bild). Für die Montage haben wir das Gewinde der beiden Löcher am Portal durchgebohrt (so passt die Feingewinde Schraube für Bremssättel durch) und zur Versteifung eine Hülse als Führung der Schraube zum Bremssattel verwendet. Wir haben hierzu eine Hülse mit einem Innendurchmesser von 12,5mm und einem Außendurchmesser von 17mm verwendet. Als passende Schrauben kamen M12 Feingweinde Schrauben mit einer Länge von 120mm zum Einsatz. Um anschließend zusätzlich Stabilität in die Bremssattelhalterung zu bringen haben wir den Halter der alten Bremsbacken angepasst und diesen mit der oberen Hülse verschweißt.

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M12 Feingewindeschraube mit Abstandshülse (passend für Suzuki Bremssattel)

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Wir hoffen, wir konnten einigen von euch weiterhelfen. Viel Spaß beim Basteln.

Wenn ihr Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel habt schreibt uns gerne via Facebook oder Mail.

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7 Kommentare zu Technik – Scheibenbremsen auf Unimog 411 Achsen

  1. Christain Späth says:

    guten tag und ein frohes neues jahr

    ich bin auch ein stolzer besitzer von einem unimog 411. da ich grade bei der restauration bin würde sich dieser umbau anbieten. blos dazu stellen sich mir noch einige fragen

    -ist der umbau auch bei der hinterachse möglich ? (da ich nur die vorderachse gesehen habe)

    -was sagt der tüv dazu, bekomme ich das ohne weitere probleme eingetragen bzw. kann ich euch beim tüv erwähnen falls ihr es eingetragen bekommen habt?

    – gebrauche ich einen bremskraft verteiler um die bremsleistung auf 60 VA 40 HA % zu bekommen?

    -hat der umbau einschränkungen auf den fahrbertieb wie zb anhängelast ?

    mit freundlichen gruß

    Christain späth

    • Matthias says:

      Hallo Christian,

      wir wünschen ebenso ein frohes Neues Jahr.
      Vorab: Unser Fahrzeug ist ausschließlich für den Offroad Einsatz auf abgesperrten Strecken konstruiert und wird nicht auf der Straße fahren und benötigt somit auch keine Straßenzulassung. Da die Bremsen in unserem Fall an Verschraubungen des Portals befestigt werden schätzen wir die Chance auf eine Straßenzulassung eher schlecht ein. Zur Verteilung der Bremskraft nutzen wir einen Brake Booster wie er z.B. im HotRod Bereich üblich ist. Ob dieser exakt 60/40 verteilt können wir zu diesem Zeitpunkt leider nicht genau sagen.
      Wir hoffen wir konnten einige Unklarheiten beseitigen.

      Beste Grüße
      Matthias (Team 4M)

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